Es ist einige Jahre her, als ich in einem BarCamp in Jena einen Talk besuchte, dessen Inhalt mich zuerst einmal etwas verwunderte. Der Tenor des Vortrags war sinngemäss „Scheitern muss Spass machen“. Ich dachte zuerst, ich wäre im falschen Film, denn wer will nicht mit seinen Projekten stets erfolgreich sein?
Ein paar Minuten später erkannte ich jedoch die Sinnhaftigkeit solcher Sätze wie „wir müssen lernen, schneller zu scheitern“ sowie „wir sollten dringend offen mit Fehlschlägen und Scheitern umgehen“. Es ging schlicht um die sehr agile Herangehensweise des Nachsteuerns, sobald man herausfindet, dass man auf der falschen Spur ist, das Kundenprojekt sich nicht entlang der Wünsche des Kunden entwickelt oder man bemerkt, dass man gerade sehr viel Zeit in etwas investiert, das möglicherweise so nie ausgerollt wird.
Nun sind die meisten von uns sicher so erzogen worden, dass Fehler und Misserfolg in der Jugend nicht gerade gefeiert wurde. Der 4 in Mathe – die man durchaus als Scheitern betrachten kann – noch etwas Gutes abzugewinnen, fiel uns sicher schwer. Aus diesem Grund fühlt es sich auch im Business alles andere als gut an, wenn man zugeben muss, dass man sich verrannt hat bzw. ein Projekt nicht wie geplant umgesetzt werden kann.
Wie also erklärt man seinen Kollegen, dass sie sich bitte bemühen sollen, möglichst schnell zu scheitern, damit man möglichst schnell Feedback erhält, einen Richtungswechsel durchführen oder schlicht reagieren kann? Haben wir doch auch in den meisten Unternehmen gelernt, dass man Fehler besser nicht offen anspricht und sie bestenfalls nicht selbst gemacht hat, sondern vielleicht lag es daran, dass der Kollege… Merkt ihr was? Es fühlt sich einfach nicht gut an und genau da sollte man meiner Meinung nach ansetzen.
In erster Linie geht es natürlich darum, als Vorgesetzter auch das zu leben, was ich mir von meinen Kollegen wünsche. Möchte ich Offenheit im Umgang mit Problemen, sollte ich selbst offen sein und die von mir gemachten Fehler transparent kommunizieren. Nur so lernt man aus ihnen und nur so lernen die Mitarbeiter, dass Scheitern durchaus als positiv betrachtet werden kann.
Das in Ländern ausserhalb Deutschlands deutlich mehr verbreitete „Fail forward“ sollte zur Normalität werden. Der Besuch von FuckUp-Nights sollte grundsätzlich Programmpunkt bei Team-Events werden. Nur so können wir aus Fehlern lernen und besser werden!
In diesem Sinne wünsche ich allen „Viel Spass beim Scheitern!“