Wir machen jetzt auch Agile!

Es ist einige Zeit her, da erhielt ich den Anruf eines befreundeten Geschäftsführers eines Software-Dienstleistungsunternmehmens. Über die Jahre hatte ich immer wieder mal einen Anlauf gemacht und ihm von „Agilen Methoden“ berichtet, die in meinen Teams für deutlich mehr Transparenz, besserer Performance und Mitarbeiterzufriedenheit geführt haben. Nun teilte er mir am Telefon plötzlich mit „Oli, wir machen jetzt auch agil!“.

Scrum = gelbe Zettel

Wer mich kennt, kann sich meine Freude vorstellen. Zumindest im ersten Moment. Als dann jedoch die Frage nach Photos unseres Whiteboards mit „den gelben Zetteln“ kam, begriff ich, dass es hier erst einmal darum ging, die Scrum-Artefakte einzuführen. Oftmals erfolgt der Start ins „Agile Abenteuer“ aus der Not heraus. Hier war es ähnlich. Das Team verkleinerte sich gerade. Es gab aus verschiedenen Gründen Abgänge. Der bestehende Kern musste die Arbeit der anderen mit übernehmen, was wiederum nicht gerade zu einem guten Gefühl beitrug. Es gab die Entwickler, die „das Tagesgeschäft“ wuppten und die, die das „fancy Zeug“ machen durften. Alles in allem eine Konstellation, wie man sie durchaus des öfteren vorfindet. Was tut man also? Richtig – man führt Scrum ein und dann wird alles gut!

Mein zweiter Impuls auf seine Info „Oli, wir machen jetzt auch agil“ war also eher zu sagen „Nee, macht ihr nicht!“. Ich schrieb ihm eine lange Mail in der ich versuchte zu beschrieben, woraus es aus meiner Sicht bei der Einführung von Agilität ankommt. Ich beendete diese Mail mit dem Satz:

Letzter Tipp: Fragt die Leute, ob sie Lust drauf haben – nehmt sie mit in dem Prozess und stülpt ihn nicht ueber sie.

Workshop

Im Folgenden bot ich meine Unterstützung bei der Einführung mittels eines Workshops an und wurde prompt vom interessierten Geschäftsführer eingeladen. Wir erarbeiteten an einem Tag zusammen die Werte, die hinter dem Begriff „Agilität“ stecken und definierten auch, was Agile NICHT ist. Ganz besonderes Augenmerk legte ich darauf, auf die Art der Zusammenarbeit einzugehen und den Kollegen und dem Chef zu vermitteln, dass dieser Schritt durchaus einen Wandel in der Denkweise nach sich ziehen sollte (besser noch dem vorangestellt ist).

Denn nur wenn verstanden wird, dass „Agile“ eben nicht „das mit den Zetteln an der Wand“ ist, sondern eine tiefgreifende Änderung bestehender Denkmuster und Verhaltensweisen verlangt, kann sich die „Magie“ einer vertrauensvollen und gleichzeitig extrem fokussierten Zusammenarbeit entfalten.

Aus Anlass dieses Workshops habe ich eine kleine Webseite gebaut, in der ich darauf eingehe, welche Schritte auf dem Weg der „Agilisierung“ eines Unternehmens (oder Teams) für mich wichtig sind.

Photo by Will H McMahan on Unsplash