Küchendienst war gestern

Wie wir aus einer Pflicht ein Wohlfühlklima machten

In vielen Unternehmen gibt es ihn: den Küchendienst. Meist landen solche Aufgaben bei den Azubis. Aufgesetzt werden Dienstpläne, wer wann dran ist – und trotzdem hakt es. Pläne werden nicht eingehalten, Unmut entsteht, und am Ende gibt es Stress statt Teamspirit.

So war es auch bei einem meiner früheren Arbeitgeber. Lange habe ich es damit versucht, dass ich es den Kolleg:innen vormachte. Oft erntete ich dabei erstaunte Blicke, dass „jemand aus der Geschäftsleitung“ sich um das Geschirr in der gemeinsamen Küche kümmerte. So richtig wollte die Idee jedoch nicht zünden und ich wollte die Situation nicht länger einfach hinnehmen. Deshalb habe ich einen anderen Weg ausprobiert.

An einem Freitagvormittag bat ich alle Azubis (ja, ich weiß – das ist noch immer gängige Praxis) des ersten Lehrjahrs zu einem Meeting. Für viele war schon das ungewohnt: ein offizieller Termin mit Agenda. Aber ich wollte ihnen zeigen, dass es mir ernst ist – und dass es nicht um eine Belehrung geht. Ich nannte das Treffen nicht „Küchendienst“, sondern „Wohlfühlklima Cafeteria“.

Wir starteten bewusst nicht mit dem, was nicht funktioniert, sondern mit der Frage, was bereits gut läuft. Die Azubis fingen an, Positives zu benennen, und plötzlich war da Stolz statt Rechtfertigung. Danach machten wir ein Freewriting. Jede und jeder schrieb eine Vision auf, wie eine Cafeteria aussehen könnte, in der wir uns alle wirklich wohlfühlten. Eine Cafeteria, in der Selbstorganisation funktioniert, in der Regeln automatisch greifen, wenn jemand ausfällt; in der Kaffeemaschine, Spülmaschine oder Luftbefeuchter einfach selbstverständlich im Blick bleiben.

Ich lud alle Teilnehmenden anschließend zu einem gemeinsamen Spaziergang und ein Mittagessen ein. Das erstaunte alle! Beim Weg dorthin tauschten sie ihre Visionen paarweise aus und legten konkrete Schritte fest. Jede und jeder überlegte, mit welchen ein bis drei Maßnahmen sie oder er in den nächsten Wochen dazu beitragen würde, Verantwortung für das gemeinsame Miteinander zu übernehmen.

Zum Abschluss stellte ich nur eine einfache Checkout-Frage: „Mit welchem Gefühl gehst du aus diesem Meeting?“ Die Antworten überraschten mich. Viele hatten befürchtet, abgewatscht zu werden, und gingen stattdessen mit dem Gefühl, ernst genommen und wertgeschätzt zu sein.

Natürlich war danach nicht alles perfekt. Aber etwas hatte sich verändert. Die Azubis begannen, sich deutlich besser selbst zu organisieren. Sie nahmen die Aufgabe ernster, weil sie nicht mehr als lästige Pflicht, sondern als Teil des gemeinsamen Wohlfühlklimas verstanden wurde.

Der Küchendienst war nur ein Symbol. Aber er hat gezeigt, dass selbst banale Alltagsaufgaben ein Brennglas für Kultur sein können. Es geht darum, ob wir Kontrolle ausüben oder Verantwortung teilen. Ob wir Menschen mit Vorschriften belegen oder ihnen zutrauen, gemeinsam Lösungen zu finden.

Am Ende wurde aus einer ungeliebten Pflicht ein Stück gelebte Teamkultur. Und für mich eine wichtige Erfahrung: Psychologische Sicherheit und Augenhöhe fangen im Kleinen an – manchmal sogar beim Geschirrspüler.

Foto von Izz R auf Unsplash