Was benötigen deine Mitarbeiter und Kollegen wie die Luft zum Atmen damit sie gut performen können?
Richtig! Gute Führungskräfte!
Google hat schon recht früh erkannt und mit einer Studie (genannt Project Oxygen) belegt, was ein wachsendes Unternehmen benötigt, um zufriedene und motivierte Mitarbeiter zu bekommen und zu halten.
Das Wissen darum, was eine grossartige Führungskraft ausmacht, hat einen immensen Anteil an der Leistungsbereitschäft und dem Commitment der Mitarbeiter und Teams. Ob Google diese Erkenntnisse tatsächlich umgesetzt bekommt und die Kultur so lebt, kann man nur erahnen. Fakt ist jedoch, dass sie sich beim diesjährigen Glassdoor Ranking for the best places to work in 2020 nicht mehr unter den Top10 befinden.
Trotzdem kann man sicher eine Menge daraus lernen, wenn ein solches Unternehmen eine so gross angelegte Studie betreibt und diese dann auch noch aktualisiert.
Hier sind die 10 Verhaltensweisen, die Google für die permanente Weiterentwicklung und den Ansporn sowie die Motivation der Mitarbeiter identifiziert hat:
01. Your manager is a good coach
Eine der wichtigsten Erkenntnisse meiner Ausbildung zum Agile Coach by boris gloger ist ganz sicher „Mehr fragen statt sagen“. Ein guter Coach bietet dir nicht die fertige Lösung sondern unterstützt dich mit den richtigen Fragen dabei, dass du deine eigene Lösung findest.

02. Your manager empowers team and does not micromanage
Verantwortung abzugeben und Teammitglieder in die Lage zu verstetzen, die eigenen Aufgaben noch viel besser zu erledigen, als man es bislang selbst konnte ohne dabei ständig zu kontrollieren – das ist ganz sicher nicht einfach für eine „gelernte“ Führungskraft. Umso wichtiger ist es, dass neue Manager diesen Wert direkt verinnerlichen, denn er sorgt dafür, dass das Wissen des Teams nicht durch das eigene Wissen begrenzt wird. Ein gutes Mittel, um Mitarbeiter zu befähigen, eigene Entscheidungen zu treffen, ist ein sog. „Delegation Board“. Hier legt ihr zusammen fest, wann Entscheidungen selbständig, im Team, auf Nachfrage oder nur von dir getroffen werden.
03. Your manager creates an inclusive team environment, showing concern for success and well-being
Eine der wichtigsten Unterschiede zwischen hochperformanten und weniger performanten Teams ist laut re:work Studie von Google die im jeweiligen Team herrschende psychologische Sicherheit. Das bedeutet, die Teammitglieder müssen sicher sein, dass Fehler nicht bestraft werden und man ganz offen über Probleme sprechen kann. So schaut für mich ein Team-Radar aus, das einerseits noch gut Luft für Weiterentwicklung hat, andererseits jedoch zeigt, dass die Basis für eine hervorragende Zusammenarbeit bereits geschaffen wurde.

04. Your manager is productive and results-oriented
Dazu gehört natürlich einerseits, richtungsweisende Vorgaben zu machen, andererseits jedoch auch, mit eigenem Einsatz voraus zu gehen. Ein Team, das keine Ahnung hat, welches die nächsten Ziele sind, wird sich schwer tun, ein Commitment abzugeben. Das kann das „Next Big Thing“ sein aber auch die Aufgabe „Lasst uns unser Deployment robuster machen“. Werden diese Ziele zusammen mit dem Team erarbeitet, fördert das die Motivation.
05. Your manager is a good communicator — listens and shares information
Entscheidungen transparent zu machen, kein für die Umsetzung von Aufgaben notwendiges Wissen zurückzuhalten, auf Mitarbeiterbedürfnisse mit Empathie zu reagieren – wenn es einen Test für Führungskräfte gäbe, sollte man meiner Meinung nach keine Leitungsfunktion erhalten, wenn diese grundlegenden Eigenschaften nicht vorhanden sind.
06. Your manager supports career development and discusses performance
„Kritik“ ist ein in Deutschland ja eher negativ besetztes Wort. Niemand erhält gern Kritik. Niemand? Nun, ich folge da gern Kim Scott, die eine Kultur der radikalen Offenheit (Radical Candor) empfiehlt. In ihrem Talk „The surprising secret to beeing a good boss“ erklärt Kim, was sie darunter versteht. Die Entwicklung und Karriere eines Mitarbeiters zu unterstützen bedeutet einerseits die Stärken zu stärken, andererseits jedoch auch immer wieder dafür zu sorgen, dass Komfortzonen verlassen werden. Wenn sich beides im Gleichgewicht befindet, also fördern und fordern, findet Fortschritt statt.
07. Your manager has a clear vision/strategy for the team
Die Idee einer positiv verstärkenden Zusammenarbeit, eines sich ständig weiterentwickelns und der respektvollen Kommunikation auf Augenhöhe sollte meines Erachtens im Mittelpunkt stehen. Sofern sich der Mitarbeiter verstanden und angenommen fühlt, wird er alles dafür tun, um die gestellten Aufgaben bestmöglich zu erledigen, eigene Ideen und Kreativität einzubringen und „die extra Meile“ zu gehen, um das Unternehmen zum Erfolg zu führen.
08. Your manager has key technical skills to help advise the team
Es ist sicher nicht leicht, sowohl strategische Aufgaben zu übernehmen als auch noch tief genug in den Themen zu stecken, die das Team in der Umsetzung seiner Aufgaben benötigt. Nun, sicher hat man dir die Position nicht aufgezwungen, also heisst es nun bereit zu sein für den Spagat zwischen Detailverliebtheit und dem Erarbeiten von Visionen. Es hat niemand behauptet, dass es leicht wird. Aber nur so wirst du deinem Team und deiner Aufgabe gerecht werden.
09. Your manager collaborates across the company
Silodenken war gestern. Und auch nur in Unternehmen, deren Mitarbeiter sich ausschliesslich mit sich selbst, ihrer kleinen Karriere und ihrem „Pöstchen“ beschäftigt haben. Wer in der immer komplexer werdenden Welt erfolgreich sein will, muss Silos aufbrechen, über Teamgrenzen hinaus zusammen arbeiten und ständig daran arbeiten, die Kommunikation zu verbessern.
10. Your manager is a strong decision maker
Ich denke, dieser Punkt versteht sich von selbst. Bist du in der Lage, starke und belastbare Entscheidungen zu treffen, zu denen du auch in Wochen, Monaten und Jahren noch stehst? Dann bist du herzlich Willkommen in der Führungsrolle, denn das wird von dir erwartet. Kein Mitarbeiter wird dich kritisieren, wenn du deine Meinung änderst. Du solltest jedoch eine Meinung haben und deine Mitarbeiter sollten sich darauf verlassen können, dass deine Aussagen Bestand haben. Nichts verunsichert Mitarbeiter mehr, als wenn du morgen behauptest, dass du deine gestrige Aussage so nicht gemeint hast.
11. Bonus: Your manager likes people
Ich leg noch einen drauf! Zwar geht dieser Punkt aus einigen der vorgenannten Punkte hervor, allerdings erachte ich ihn als so wichtig, dass ich ihn am Schluss nochmal hervor heben möchte. Als Führungskraft solltest du Menschen mögen! Und emphatisch sein! Und interessiert an deinen Mitarbeitern! Nur dann wirst du meines Erachtens ein erfolgreiches, wirkungsvolles und zufriedenes Team führen können.
Wie viele Haken konntest du machen?
Diese Liste ist sicher nicht vollständig. Man kann bestimmt noch einige „Skills“ aufzählen, die eine hervorragende Führungskraft ausmachen. Deshalb betrachte ich die Aufzählung auch eher als „Basics for Leadership“. Wie viele Haken konntest du für dich oder deine Führungskraft in dieser Liste machen? Erkennst du Stärken und Schwächen? Bist du gewillt, daran zu arbeiten, eine grossartige Führungskraft zu werden? Wunderbar – deine Mitarbeiter werden es dir mit ihrem Commitment und Einsatz danken!
Photo „Oxygen“ by Morning Brew on Unsplash
Photo „Mehr Fragen statt Sagen“ by Carsten Rasche @ Boris Gloger