9to5, 5-Stunden-Tag, flexible Zeiteinteilung oder doch ganz anders?

Es gibt meines Erachtens mindestens 4 ganz unterschiedliche „Arbeitsprofile“. Damit meine ich typenabhängige Ideen oder auch Lebensentwürfe, wie man bestmöglich die Arbeit in das Leben integrieren kann.

9to5

Das ist die klassische Sozialisierung, der die meisten von uns unterliegen. Die Arbeit ist schlicht ein Job, den man benötigt, um seine Ideen in der Freizeit und sein Leben zu verwirklichen. Man erfüllt den Arbeitsvertrag, aber möglichst nicht mehr, denn in diesem Vertrag steht, dass man X Stunden wöchentliche Arbeitszeit gegen Summe Y an Gehalt eintauscht. Fair enough! Manche von uns kommen damit hervorragend klar und man muss nicht mal Beamter sein, um sich in dieser Struktur wohl zu fühlen.

5-Stunden-Tag

Tja, da hat Lasse Rheingans mal richtig einen rausgehauen mit seinem Buch „Die 5 Stunden Revolution„. Ich gebe zu, dass ich im entsprechenden Hörbuch bislang nur bis zur Hälfte gekommen bin, jedoch spüre ich bis dahin schon eine gewisse Seelenverwandtschaft. Dazu muss man vielleicht wissen, dass ich offensichtlich „HighPerformer“ anziehe. Das meine ich im Guten – das sind Mitarbeiter, die wollen unbedingt mit Vollgas beweisen, dass sie grossartige Leistung bieten – und das tun sie in der Regel auch. Der weniger gute Aspekt, den ich darin sehe, ist jedoch das 9to5 Gerüst, in das wir solche Menschen, die unglaublich intensiv und fokussiert arbeiten, stecken „müssen“. Das geschieht aus dem Grund, weil es eben in vielen Unternehmen noch die allgemeine Vorgabe ist. Da kommt nun Lasse um die Ecke und wirft diese Strukturen über den Haufen. Er erwartet 5 Stunden fokussiertes Arbeiten und gibt dafür den Lohn von 8 Stunden. Und zwar mit der Begründung, dass die restlichen 3 Stunden eh mit unproduktivem Tun verbracht werden. Wenn der Mitarbeiter diese Stunden dazu nutzt, sich zu entspannen, seinen Hobbies nachzugehen oder sie der Familie widmet, zieht das Unternehmen seines Erachtens zwei positive Dinge daraus: Die selbe Arbeit wird in kürzerer Zeit erledigt und der Mitarbeiter ist entspannter.

Für mich dürften es 6 Stunden sein, aber so weit sind wir damit nicht voneinander entfernt 🙂

Flexible Arbeitszeit

Sowohl bei 9to5 als auch beim 5-Stunden-Tag herrscht noch eine gewisse Synchronisation der Mitarbeiter mit einer vorgegebenen Arbeitszeit. Das ist immer dort notwendig, wo eine Abteilung / ein Unternehmen sich an einem Kunden ausrichten muss / will, der eben zu bestimmten Zeiten seine Anforderungen hat. Da sprechen wir von telefonisch erreichbaren Mitarbeitern, aber auch von der Erwartungshaltung des Kunden, Mails binnen kürzesten Zeit beantwortet zu bekommen.

Abteilungen, die jedoch eher unabhängig vom Kunden handeln können, bei denen es möglicherweise lediglich darum geht, sich zeitgleich in Meetings abzustimmen, könnten ihren Mitarbeitern jedoch freistellen, wann die vereinbarte Arbeitszeit zu leisten ist.

Es gibt Mitarbeiter, die stehen gern morgens um 5 Uhr auf (völlig unverständlich für mich) und ziehen ihre Arbeitszeit bis Mittag incl. einer kurzen Pause durch. Danach geniessen sie ihre Freizeit, widmen sich ihren Kinder oder betreiben Hobbies.

Andere würden – wenn man sie liesse – gern um 9 Uhr daheim am Rechner sitzen, bis Nachmittag die Bude rocken, dann 1-2 Stunden was ganz anderes tun und dann gern abends nochmal Gas geben.

Wieder andere arbeiten gern am Sonntag Abend vor, da von ihrer Arbeit wiederum die Arbeit anderer Kollegen abhängt, die damit dann wiederum am Montag früher starten können.

Wir sehen, es gibt die unterschiedlichsten Arbeitsprofile. Und alle diese Profile versuchen wir in die eine, aus dem Jahre 1830 stammende (und damals unglaublich wichtige) Idee des 8 Stunden-Tages zu pressen. Manche Unternehmen bieten jedoch bereits die flexible Arbeitszeit, wo es möglich ist.

Noch ganz anders

Eine noch ganz andere Idee verfolgen Unternehmen, die sich an Zielen ausrichten und diese verfolgen können ohne externen Zwängen zu unterliegen. Also Firmen oder auch Abteilungen, bei denen es keine Rolle spielt, zu welchen Zeiten die Leistung erbracht wird. Die nicht zu bestimmten Uhrzeiten eine bestimmte Besetzung vorweisen müssen. Eine Hilfe kann dabei die sog. „OKR-Methode“ (Objective and Key Results) sein. Dabei werden Zielvorgaben formuliert sowie kommuniziert und in kurz- mittel- und langfristige Ziele heruntergebrochen. Die OKR-Methode lebt von der hohen Einbindung der Mitarbeiter aus dem grosses Engagement resultiert.

Dabei ginge es dann ausschliesslich um die Erreichung der Ziele – die Anzahl der dafür benötigten Stunden spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Natürlich darf das nicht dazu führen, möglichst viele Ziele in einen zu kleinen zeitlichen Rahmen zu stopfen. Die Nachjustierung der Vorgaben sollte Bestandteil des Prozesses sein. Ich könnte mir jedoch vorstellen, darüber ein starkes Commitment der Mitarbeiter zu erhalten und einen Grossteil der oben beschriebenen Arbeitsprofile abzudecken.

Vielleicht ist dieser Blobeitrag mal ein Grund, darüber nachzudenken…

Photo „Productivity“ by Andreas Klassen on Unsplash